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Szene 3.0 – Die nächste Stufe beginnt

Die Älteren von euch kennen bestimmt noch die Szene in der Version 1.0. Zu Zeiten, als es noch kein gayromeo gab, war diese Version aktuell. Gut besuchte Partys, man trifft sich mit Freunden auch mal fürs Kino oder einfach nur auf einen Cocktail. Es gab sogar Leute, die einfach mal spontan auf dem Balkon gegrillt haben. Zu dieser Zeit durfte man die Szene gut und gerne als „Community“ bezeichnen. „Wir Schwule müssen zusammenhalten“ hätte fast jedes Mitglied der Szene 1.0 ohne Bedenken unterschrieben. Von der Gesellschaft noch nicht komplett akzeptiert war es zwar schwer, ließ sich in Gemeinschaft aber trotzdem super leben.

Szene 3.0: Drogen sind im Trend

Szene 3.0: Drogen liegen voll im Trend

Schade, aber irgendwann war Schluss damit. Spätestens seit dem Aufkommen des schwulen Einwohnermeldeamtes (für alle Lesben: Damit ist gayromeo gemeint, gerne auch „die blauen Seiten“ genannt) ist Schluss mit dem Gedanken der Gemeinschaft. Die Szene 2.0 war geboren. Hier zählen andere Werte. Während in Version 1.0 noch Ehrlichkeit, Treue und Freundschaft wichtig waren, sind das in 2.0 andere Dinge: Sex, Körperkult & Spaß. Nach Wichtigkeit geordnet ist es auch genau diese Reihenfolge. Je besser man aussieht, desto mehr Sex hat man. Und je mehr Sex man hat, desto mehr Mitglied ist man in der Szene 2.0. Man prahlt vor seinen ebenfalls bis zum Anschlag oberflächlichen Freunden mit den Kerlen, die man bereits senkrecht hatte. Bonus-Punkte gibt es dann, wenn man damit noch eine Beziehung zerstört hat. Je nackter, desto besser, je jugendfreier, desto schlechter.

Tja, nun ist es 2010! Und schon Mitte 2009 war klar, dass 2.0 out ist. Genau wie im Online-Business die Blase des „Web 2.0“ geplatzt ist, so tut sie es auch in der Szene. Blöd nur, dass die Version 3.0 noch deutlich schlimmer ist. Die Werte der dritten Version unser kunterbunten pinken Welt lassen sich einfach umschreiben: Geld, Drogen & Macht. Es klingt krass, ist aber leider die Wahrheit. Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als ihr euch auf Partys darüber aufgeregt habt, dass alle WCs belegt sind, weil diverse Schwuppen mal wieder am Pimpern waren? Tja, wisst ihr was besagte Gruppe heute auf den WCs macht? Richtig, koksen! Nur ein kleiner Teil aller Partyklo-Nutzer widmet sich noch den Geschlechtsorganen. In Zeiten, in denen man mit 10 Jahren ein Handy hat, mit 15 Mitglied bei funkyboys (= noch billigerer gayromeo-Abklatsch für Kinder, Jugendliche und deren pädophile Zielgruppe) und spätetens mit 17 auch gayromeo-Mitglied ist, zählt Sex eben nicht mehr so viel, sondern ist selbstverständlich geworden. So selbstverständlich wie Trinkwasser und ein iPhone. Das gerade bei Hetero-Frauen immer wieder erwähnte „Aufsparen für die große Liebe“ war schon 2003 vollkommen verschwunden. Die treuesten Schwuppen, die in den längsten Beziehungen stecken, stecken in der Realität meist ganz woanders und sind die größten Fremdgeher überhaupt.

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass das Drogenproblen, welches die Schwule Szene (inzwischen auch in Hannover) hat, nicht zu extrem wird. Es wäre Schade, wenn die schwule Szene so endet wie damals die Techno-Szene. Und diese ist inzwischen fast zu 100% von der Bildfläche verschwunden bzw. hat sich in das normale Nachtleben eingegliedert. Wir sind gespannt, was die Szene 4.0 so zu bieten haben wird. Erfahrungsgemäß gehts damit spätestens 2014 los – und dann vermutlich wieder eine Stufe schlimmer.

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